Montag, April 02, 2007

Helden im Cockpit vs IFATS-Projekt

Ich bin ja leidenschaftlicher Kritiker des IFATS-Projects. Da keine Statistik existiert, die die Leistungen des "Human Factors" im Cockpit würdigt, hier vielleicht einige Beispiele, die es - und Ironie an! - nach vollständiger Automatisierung des Luftverkehrs so nicht mehr geben wird - Ironie aus!:

23. Juli 1983 - Die Kraftstoffberechnung durch die Boden-Crew des Air Canada Fluges 143 ist falsch. In grosser Höhe geht der Boeing 767 der Treibstoff aus. Die Folge ist ein Totalausfall der Triebwerke, der Hydraulik und der Elektronik. Der Kapitän, auch ein erfahrener Segelflieger, gleitet mit der Maschine bis zum 72 Kilometer entfernten Flugplatz Gimli, Kanada. Mit einem Slip baut er dort Höhe ab und erreicht die Landebahn. Niemand an Bord wird verletzt.

19. Juli 1989 - Bei United Airlines Flug 232 zerspringt eine Verdichterscheibe des mittleren Triebwerks. Die davonfliegenden Trümmer beschädigen die Hydraulik, so dass die DC-10 nicht mehr zu steuern ist. Nur den Erfahrungen und der Leistung der Cockpit-Crew an diesem Tage ist es zu verdanken, dass bei der Landung auf dem Airport von Sioux City 184 Insassen überleben.

1993 - Bei John Travoltas Gulfstream IIB fällt nachts über Washington D.C. unter Vereisungsbedingungen und Instrument Meteorological Conditions (IMC) die gesamte Elektronik aus. Nur Johns Umsicht und seinem Können als leidenschaftlicher Pilot mit nunmehr über 30 Jahren Flugerfahrung auf Jets verdanken die Travoltas sowie Washingtons Einwohner ihr Leben. Travolta findet ein Loch in der Wolkendecke, kreist um Höhe abzubauen und setzt die Maschine sicher auf die Piste des Washington National Airports. Ebenfalls an Bord sind seine Frau Kelly, sein Sohn Jett und ein Flugbegleiter.

29. März 2007 - Bei einer MD-80 der US-Fluggesellschaft Allegiant Air fährt das Bugfahrwerk nicht aus. Der Pilot setzt die Maschine in Orlando (Florida) so sanft auf die Piste, dass von den 147 Passagieren nur eine Frau leicht verletzt wird.

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1 Kommentar:

Ralf Gerlich hat gesagt…

Naja, man kriegt ja in der Ausbildung eingebleut, dass 80% der Flugunfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen seien. Das klingt doch einfach einleuchtend.

Überlegt man sich dann, dass so manches technisches Versagen vielleicht nicht zu schwerwiegenden Problemen geführt hätte, hätten die Piloten (meist Gelegenheitsflieger) sich besser auf mögliche Ausfälle mental vorbereitet oder nicht entsprechende Vorzeichen in einem falschen Gefühl der Sicherheit "ignoriert" oder "wegargumentiert". Solche Fälle von technischem Versagen sind somit auch teilweise dem Menschen zuzurechnen.

Anders als bei tatsächlich eingetretenen Flugunfällen scheint es aber keine Zahlen oder Studien darüber zu geben, an denen sich erkennen lässt, wie viele Unfälle durch menschliche Leistung verhinderin ließen.

Einige dieser Fälle kommen zwar auch in der Flugunfallstatistik vor, werden aber eben nicht extra gezählt.

80% menschliches Versagen als Ursache bedeutet immerhin, dass 20% von der Technik kommen. Je mehr Aufgaben aber die Technik zu erfüllen hat, umso komplexer wird sie. Man soll nicht glauben, dass man die 80% eliminieren kann. Man wird sie höchstens auf die Technik übertragen.